L2
Das Lernerprofil
Der Dreh- und Angelpunkt
Eine Kompressionspyramide: von Rohdaten — Klicks und Zögern — über Echtzeit-Interpretation und tägliche Synthese bis zum Langzeitprofil über Jahre hinweg. Plus ein episodisches Gedächtnis für die Momente, die zählen — „12. November, Vektorrechnung geknackt“. Kein Verfallsdatum: Das Profil begleitet einen Menschen von der Kinder-Alphabetisierung über Erwachsenen-Reskilling. Darin lebt ein persönlicher Kompetenzgraph, projiziert auf L5.
Warum Tiefe
Ohne L2 erzeugt der Mentor generische Erfahrungen. Mit L2 erzeugt er diese Erfahrung für diesen Menschen.
Die Architektur hat sich bewusst für Tiefe entschieden. Ein Profil, das reich genug ist, um ein Kind gut zu unterrichten, ist auch reich genug, es ein Leben lang zu überwachen. Oberflächliche Profile produzieren oberflächliches Unterrichten; der Preis der Tiefe ist, dass L4 tragend werden muss. L2 und L4 lassen sich nicht trennen — die Tiefe der einen erzwingt die Existenz der anderen.
Die Kompressionspyramide
Das Profil ist als Kompressionspyramide organisiert. An der Basis liegen Rohdaten: Klicks, Zögern, Tipp-Geschwindigkeit, Antwortmuster, kontinuierlich erfasst. Eine Ebene darüber liefert Echtzeit- Interpretation Erkenntnisse über Müdigkeit, Frustration und Aufmerksamkeit innerhalb von Sekunden. Auf der nächsten Ebene verdichtet die tägliche Synthese Tausende mikro-kognitiver Signale zu einem geschärften Verständnis. An der Spitze sitzt das Langzeit- profil — Lerntyp, kognitive Stärken, anhaltende Blockaden, tiefe Interessen — synthetisiert über Monate und Jahre.
Was durch die Pyramide aufsteigt, verliert nichts an Spezifität, gewinnt aber Struktur. Der Mentor kann jederzeit die Spitze für Orientierung lesen und bis zur Basis hinunterreichen, wenn ein bestimmter Moment Kontext braucht.
Episodisches Gedächtnis und lebenslange Kontinuität
Getrennt von der Pyramide unterhält das System ein episodisches Gedächtnis — kuratierte Schlüsselmomente, die der Mentor als bedeutsam erkennt. „12. November, Vektorrechnung geknackt." „Die Krise im März und wie sie überwunden wurde." Ein guter Mentor erinnert sich.
Das Profil hat kein Ablaufdatum. Es begleitet einen Menschen von der Kinder-Alphabetisierung über Erwachsenen-Umschulung bis zum Sprachenlernen im Ruhestand. Dasselbe Profil, das mit sechs lesen lernte, bereitet mit dreiundvierzig den Berufswechsel vor und begleitet mit achtundsechzig ein sabbatisches Töpferjahr. Es gibt keinen „Abschluss", der die Datei zurücksetzt.
Der persönliche Kompetenzgraph
In L2 lebt eine persönliche Projektion auf den Föderierten Wissensgraph (L5). Im alten System hat eine Schülerin eine Position: siebte Klasse, Notendurchschnitt 2,3. In diesem System hat die Lernende Tausende Positionen in einem mehrdimensionalen Raum — Algebra, aber nicht Brüche; Python, aber nicht die Logik darunter; physikalische Konzepte, aber nicht das Umstellen von Formeln. Granular, nicht linear.
Aus dieser Projektion leitet das System eine lebende Aufwandsprognose ab. Es kennt die Lernende, den Graph und die aggregierte Erfahrung aus Millionen Lernpfaden. „Route A dauert voraussichtlich 24 Monate. Route B nutzt Ihre Stärke im visuell- räumlichen Denken und dauert 14." Die Schätzung aktualisiert sich mit jedem Schritt und ist ehrlich über die eigene Unsicherheit.
170 million students. No one decided.
Quelle
Architecture-Paper, Abschnitt 5, L2. DOI: 10.5281/zenodo.18759134. CC BY 4.0.